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Namibias deutsche Minderheit in ARD-Film

Windhuk – Die Kinder tragen Lederhosen, auf dem Esstisch liegt feinsäuberlich eine karierte Tischdecke, im Hintergrund sieht man die Steppenlandschaft Namibias. Eberhard Kulenkampff erinnert sich gern an seine Kindheit auf der Farm der Familie in Namibia – es war eine deutsche Idylle am Südwestzipfel Afrikas.

Doch für viele Schwarze waren die weißen Farmer als Überbleibsel der deutschen Kolonialherrschaft schlicht eine neue Form der Unterdrückung. Die Dokumentation «Namibia – Eine Heimat – Zwei Welten», die am Montag um 23.50 Uhr im Ersten läuft, beleuchtet Geschichte und Zukunft der Deutschen in dem Land.

Der Großteil des Agrarlandes in Namibia ist immer noch in der Hand weißer Farmer, viele von ihnen sind Nachkommen der deutschen Kolonialisten. Ben Mbai ist die Ausnahme von der Regel: Ihm ist es gelungen, mit Hilfe der Regierung Land von weißen Farmern zu kaufen. «Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe», sagt er.

Mbai gehört zum Stamm der Herero. Sein Volk wurde vor rund 110 Jahren von den deutschen Kolonialherren fast vernichtet, angeführt von General Lothar von Trotha. Experten gehen davon aus, dass 65 000 von 80 000 Herero und mindestens 10 000 von 20 000 Nama getötet wurden. Viele Historiker sprechen daher vom ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.

«Die Deutschen sollten Namibia Geld geben und das Unrecht wieder gut machen», fordert Mbai in der Dokumentation des Ersten. Die Bundesregierung hatte Reparationen jahrzehntelang abgelehnt und stattdessen auf die großzügige Entwicklungshilfe für Namibia verwiesen. Nun laufen erneut Verhandlungen.

Für Hartwig von Seydlitz sind diese Diskussionen weit weg. Er führt in dritter Generation eine Großwildfarm in Namibia, er sorgt sich mehr um die Menge des Regenfalls, ohne den die Steppenlandschaft trocken bleibt. Durch die Unabhängigkeit, als die Schwarzen in den 1960er-Jahren die Macht übernahmen, habe sich wenig verändert, erklärt von Seydlitz. Seine schwarzen Angestellten arbeiteten gerne für ihn, sie bekämen pro Tag auch eine Ration von 400 Gramm Fleisch.

Die Dokumentation des Ersten zeigt schöne historische Aufnahmen, die einen Eindruck vermitteln, wie die Deutschen in Namibia fernab der früheren Heimat gelebt und das Land geprägt haben. Noch heute ist der kulturelle Einfluss der kleinen deutschen Minderheit stark – angefangen vom Bier, das nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird, bis hin zu örtlich hergestelltem Schwarzwälder Schinken.

Die soziale Sprengkraft der nur schleppenden Veränderungen seit der Unabhängigkeit, vor allem hinsichtlich des Landbesitzes, wird in der Dokumentation allerdings nur angedeutet.

Die Frage der Landverteilung brodelt in Namibia nicht weit unter der Oberfläche. Die Regierung bemüht sich, mehr schwarzen Farmern zu Land zu verhelfen. Anders als im Nachbarland Simbabwe, wo Präsident Robert Mugabe weiße Farmer vertreiben ließ und damit die Wirtschaft zugrunde richtete, setzt die Regierung Namibias auf schrittweise Veränderung. Den Kritikern geht das jedoch viel zu langsam.

Für den 1927 geborenen Kulenkampff endete die deutsche Afrika-Idylle in seinem 17. Lebensjahr. Seine Eltern, begeisterte Nazis, schickten ihn nach Deutschland, wo er noch in den letzten Kriegsmonaten an die Front geschickt und schwer verwundet wurde, seither fehlt ihm ein Bein. Das Farmhaus seiner Eltern ist längst von Termiten zerfressen, doch sein Herz schlägt bei Besuchen in Namibia immer noch höher.

Von Seydlitz hingegen ist ein typischer «Südwester» – seine Heimat ist Namibia, er ist Afrikaner aber kulturell eher Deutscher. Doch die Zahl der «Südwester» schrumpft. Für die junge Generation ist zum Beispiel ein Leben in Europa oft vielversprechender. Inzwischen sind unter den gut 2 Millionen Namibiern nur noch schätzungsweise 14 000 Deutschsprachige. Doch die verbliebenen Deutschen richten den Blick nach vorne, bilanziert die Dokumentation von Radio Bremen für das Erste. «Zäh und ausdauernd lieben die Deutsch-Namibier ihre Heimat, auch wenn die Zukunft hier für sie schwieriger geworden ist.»

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