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Wie geht es Rentnern in Südafrika? Sicher anders als in Deutschland. Ganz abgesehen davon, dass Südafrika sicher kein Land zum Auswandern im Alter ist. Na, gut. Hier das Beispiel von Hubert Höhsl. Am besten, er erzählt selbst. Hubert ist als Uhrmacher und Goldschmied im Januar 1960 per Schiff in Durban angekommen. Durban liegt an der Ostküste Südafrikas am Indischen Ozean – eine Großstadt mit mittlerweile 3,4 Millionen Einwohnern.

Angekommen in Südafrika suchte sich Hubert einen Job als Juwelier in Pretoria. Wie der Zufall es so wollte, lernte er seine Christine kennen, Uhrmacherin und Töpferin, die er 1963 in Wien, ja Wien, heiratete. Kaum verheiratete, kehrte sie Europa den Rücken bereits im Januar 1964 den Rücken und nisteten sich in Windhoek ein. Windhoek mit rund 330 000 Einwohnern größte und gleichzeitig Hauptstadt von Nambia, dem ehemaligen Süd-West-Afrika. Höhsl brachte es im Laufe der Jahre zu einem Schmuckgeschäft, Andenkenladen und zu einer Töpferei.

Drei Jahre später kam ihr Sohne Peter in Windhoek zur Welt, wo er in eine deutsche Privatschule besuchte. Peter wurde in Nambia eingezogen und war zwei Jahre beim Militär, das nur nebenbei. Heute ist Peter wie seine Eltern in Südafrika. Heute ist er photorealist artists, das heißt, er kreiert photorealistische Werke.

Von Namibia nach Südafrika

Die Höhsls lebten 25 Jahren in Nambia – hatten dann freilich „genug von der Halbwüste“, wie es Hubert ausdrückt. Sie verkauften alles und zogen ans Kap. „Im Alter ist das Klima hier besser“, begründet Hubert den Ortswechsel. Blöd, für den Ruhestand war’s wohl doch etwas zu früh. Hubert, damals 50, und Christine, 46, mussten sich etwas einfallen lassen. Sie eröffneten ein Schmuckgeschäft in Somerset West, in der Nähe von Kapstadt – und später ein zweites in Stellenbosch, nicht weit weg.  „Somerset West haben wir bald verkauft und uns auf Stellenbosch konzentriert“, erinnert sich Hubert.

Hubert und Deutschland

Im November 2011 hatte Huberts Frau allerdings keine Lust mehr – und „wir haben auch das Geschäft in Stellenbosch verkauft“, was Hubert nicht leichtgefallen sei. Er habe lange gebraucht, um mit der Situation zurecht zu kommen. „Aber mit 73 war es das Beste“, räumt er ein.

Na ja, was verbindet Hubert und Christine noch mit Deutschland? Die Rente – und das Finanzamt. „Die paar Jahre, die wir in Deutschland und Österreich gearbeitet haben, bringen uns eine monatliche Rente von 224 Euro – 37 Euro für Christine, 187 Euro für Hubert. Was den Fiskus betrifft, so bekamen die Beiden vor zwei Jahren vom deutschen Staat einen Steuerbescheid von zusammen 1500 Euro für die vergangenen vier Jahre. Das findet Hubert ziemlich ungerecht, schließlich habe er in „mehr als 50 Jahren keine sozialen Leistungen vom deutschen Staat in Anspruch genommen“. Er will nicht einen Cent zahlen. „Lieber nehme ich die Zelle neben Hoehnes“, feixt er.

In Südafrika laufen die Uhren anders

Zur Situation in Südafrika: Südafrika ist kein sozialer Staat, „aber jeder Bürger hat ab 60 einen Anspruch auf eine minimale Rente, obwohl er nie etwas eingezahlt hat“, bringt es Hubert auf den Punkt. Das reiche grade mal zum Essen. Wer sich im Laufe seines Lebens nichts erarbeitet hat, landet wohl unter der Brücke – oder in „einer Hütte – und da leben schon viele“, meint er lakonisch. Dafür müsse ein Rentner aber auch keine Steuern zahlen. Um alles andere müsse sich jeder selbst kümmern. „Notfälle werden im Hospital behandelt – für Mittellose gratis“, so Hubert.

Thailand ist wohl günstiger

Die Deutschen in Kapstadt kennen sich natürlich untereinander – und nicht nur die Deutschen, sondern die meisten Ausländer. Sie seien früher alle selbständig gewesen. Für auswanderungswillige Rentner sei Südafrika „nicht grade der richtige Ort“, konstatiert der Ex-Schmuckhändler. Thailand sei wohl günstiger. Vor allem mieten sei kaum möglich und sehr teuer. Das heißt, nur wer das nötige Kleingeld mitbringt, sollte Südafrika als Domizil fürs Alter ins Auge fassen. Ach ja, dazu kommt ja noch die Infrastruktur. Nur in Kapstadt gebe es ein entsprechendes öffentliches Verkehrssystem. Wer auf dem Land wohne, brauche einen fahrbaren Untersatz.

Monatliches Mindesteinkommen 2150 Euro

Wer sein Ruhestandsdomizil nach Südafrika verlegen will, brauch ein Retirement Permit und muss ein garantiertes monatliches Einkommen von 37 000 Rand oder 2150 Euro vorweisen. Für ein Paar sind es 74000 Rand oder 4300 Euro. Die Alternative ist natürlich ein Touristenvisum. Das wird für 90 Tage ausgestellt – und kann verlängert werden. Die Verlängerung kann jedoch abgelehnt werden – ist also riskant.

Um den Arzt muss sich schon jeder selbst kümmern

Was die ärztliche Versorgung betrifft, so sei die südafrikanische „eine der besten der Welt“, betont Hubert. Viele sprechen seines Wissens nach deutsch, „weil sie auf dem Wege der Ausbildung, hier hängen geblieben sind oder aus Namibia kommen“. Eine schnelle Abfertigung sowie volle Wartezimmer gebe es nicht. „Es geht alles nach Termin“. Dafür allerdings zahlt der Patient. Für seinen „Hospitalplan“ zahlen die Hubert und Christine 4500 Rand oder 267 Euro im Monat. Der Arztbesuch koste 500 Rand oder 30 Euro aufwärts, der Spezialist 2000 Rand oder 116 Euro. Allerdings gehe es in den Krankenhäusern entspannter zu – „Götter in weiß“ gebe es nicht.

Kapstadt nichts für Naive

Wer nach Kapstadt kommt, sollte nicht allzu naiv sein. Die Kriminalität ist offensichtlich aber nicht ganz so dramatisch wie oft gedacht. Allerdings sollten Touristen die Townships und Cape Flats meiden, raten Reiseführer. Johannesburg und Durban seien schlimmer. Aber, „meine Freunde und auch ich haben Jahrzehnte überlebt“, relativiert Hubert. Außerdem „hatten wir grade über die Feiertage wieder fünf Millionen Besucher – und die sind alle, soviel ich weiß, wieder gut heim gekommen“. In den Townships fänden allerdings jede Nacht Mord und Totschlag statt; Drogen und Stammeskämpfe seien die Hauptursache. Nachts bleibe er allerdings an keiner Ampel stehen, wenn es der Verkehr zulässt, was die Polizei sogar empfehle. „Autofenster und Türen sind automatisch geschlossen, da ich nur mit Klimaanlage fahre, Sommer wie Winter“. Auch sein Haus habe eine Alarmanlage, die an einen bewaffneten Sicherheitsdienst angeschlossen sei. Das lasse dem Dieb nur fünf bis acht Minuten. „Wenn wir im Haus sind, hat er schlechte Karten, denn Christine hat seit 45 Jahren eine Neun-Millimeter – noch aus unserer Zeit in Namibia“. Sie habe aber bis heute noch keinen erschossen. „Aber, wer weiß“, räsoniert Hubert. Übrigens, bekomme keiner eine Hausratsversicherung ohne Alarm.

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