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Thuli Madonsela: Ehrung für die “Unbequeme”

Von vielen Südafrikanern verehrt, von den Mächtigen gefürchtet: Thuli Madonsela war oberste Antikorruptions-Beauftragte und Gegenspielerin von Präsident Zuma. Dafür wurde sie verunglimpft und bedroht. Doch sie blieb. Nun wurde sie mit dem Deutschen Afrika-Preis geehrt.

Wenn Thulisile Madonsela in diesen Tagen irgendwo in Südafrika einen Saal mit Menschen betritt, dann ist es nicht ungewöhnlich, dass sich alle erheben und ihr applaudieren, ihr fast huldigen. Denn sie verkörpert etwas, dass viele Menschen am Kap – vor allem seit dem Rückzug Nelson Mandelas aus der Öffentlichkeit – sehnlichst vermissen: Aufrichtigkeit, Anstand und Moral.
Für ihren “außergewöhnlichen Einsatz bei der Verteidigung der Verfassung und ihren Einsatz gegen Korruption” ist die 54-jährige Juristin am Mittwoch in Berlin mit dem deutschen Afrika-Preis ausgezeichnet worden.

Gegenspielerin von Präsident Zuma

Thuli Madonsela war sieben Jahre lang “Public Protector”, also die nationale Ombudsfrau und oberste Antikorruptions-Beauftragte. Als solche wurde sie, ohne es darauf angelegt zu haben, zur Gegenspielerin von Präsident Jacob Zuma. Pikanterweise hatte er sie 2009 selbst in das Amt gehoben. Zuma aber hat ganz offenbar sein Amt genutzt, um sich persönlich zu bereichern. Korruption und Vetternwirtschaft scheinen unter ihm an der Tagesordnung zu sein. Dank Thuli Madonsela aber ist vieles davon ans Licht gekommen. In einem mehr als 400 Seiten langen Bericht legte sie 2014 dar, wie Zuma seine Privatresidenz Nkandla mit Steuermitteln finanzierte – nun musste er das Geld zum Teil zurückzahlen.Der oberste Verfassungsrichter attestierte Jacob Zuma im März 2016 gar, gegen die Verfassung verstoßen zu haben, weil er die Untersuchungsergebnisse der Ombudsfrau nicht ernst nahm.

Als CIA-Agentin verunglimpft und bedroht

Ihr letzter Bericht als Public Protector, der sogenannte “State of Capture Report”, enthielt dann wahres Dynamit: Interviews mit Beteiligten und andere Indizien scheinen zu belegen, dass der Staat Südafrika regelrecht “gekapert” worden ist und zwar von Zuma und seinen Freunden – der indisch-stämmigen Unternehmerfamilie der Guptas. Diese konnten offenbar entscheidend Einfluss auf staatliche Unternehmen ausüben und sogar die Besetzung von Ministerposten beeinflussen – zu ihrem eigenen wirtschaftlichen Vorteil.Thuli Madonsela wurde für ihre Courage, sich gegen den Präsidenten und seine Gefolgsleute zu stellen, als CIA-Agentin verunglimpft und bedroht, teilweise mit dem Tod. Davon aber ließ sie sich nicht aufhalten. Sie machte weiter mit ihren Untersuchungen.
Dabei ist sie nie laut oder hetzerisch aufgetreten, im Gegenteil. Die ausgebildete Juristin zwingt den Gesprächspartner durch einen ruhigen, fast leisen Tonfall zum genauen Zuhören und bringt damit eine angenehme Ruhe in die derzeit teils sehr aufgeregten, aggressiven, emotionalen Debatten Südafrikas. Und sie verliert ihren Optimismus nicht.Sie sieht die Demokratie trotz der offensichtlichen Krise gestärkt. Mit ihrer Arbeit und ihrem Team sei es ihr gelungen, die Menschen in Südafrika für das Problem der Korruption zu sensibilisieren. Sie hätten nun erkannt, dass Korruption etwas ist, das jeden angeht und man etwas dagegen tun müsse, sagt sie in einem ZDF-Interview.

Zukünftige Präsidentin?

Thuli Madonsela wuchs im Township Soweto vor den Toren Johannesburgs auf und begann sich früh für den Widerstand gegen das Apartheid-Regime zu interessieren und zu engagieren.
Heute wünschen sich einige in Südafrika, dass die 54-jährige Thuli Madonsela selber eines Tages für das Amt der Präsidentin kandidiert. Dem aber erteilt sie bislang eine Absage.
Das Time-Magazin hatte sie 2014 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt erkoren, jetzt erhält sie den Afrika-Preis der Deutschen Afrika-Stiftung. Zu Recht. Menschen wie Thuli Madonsela ist es zu verdanken, dass Südafrika heute offen über Korruption und die Verfehlungen des Präsidenten diskutiert und es ist nicht auszuschließen, dass Zuma langfristig, auch durch ihre Untersuchungsberichte sein Amt frühzeitig verliert.

Von Timm Kröger, Johannesburg

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